Lüneburg Liest! 2011

Die Aktionswoche "LÜNEBURG LIEST!" fand 2011 vom 23. bis 27.Mai statt.

Das NLL hat damals ein neues Veranstaltungsformat erkundet: "Lüneburg liest ein Buch!". Ein einziges Buch wurde dabei in den Mittelpunkt gestellt. Eine Jury aus Bibliothekar/innen, Buchhändler/innen, Lehrer/innen und Wissenschaftler/innen hatte das Buch: „Joyride Ost" des Autors Thorsten Nesch ausgewählt.

Hier können Sie sich über die studentischen Projekte mit PROJEKTERGEBNISSEN informieren (Fotos finden Sie hier):

 

Projekt 1: Joyride – Das Roadmovie:

Mit einer integrativen 8. Klasse der Hauptschule in Adendorf wurde das Buch (Schlüsselszenen daraus) filmisch umgesetzt. Unterstützt wurden die Schüler/innen durch einen professionellen Videographen, der die Jugendlich auch in Fragen zu Kameraeinstellungen, Bildästhetik sowie technischen Aspekten beriet. Die vier Studierenden, die sich diesem Projekt widmeten, verfassten zunächst ein Drehbuch, welches sie später gemeinsam mit den Schüler/innen um die notwendigen Regieanweisungen ergänzten. Gedreht wurde schließlich an zwei Tagen in- und außerhalb der Schule. Dafür wurden von der Schulleitung sogar zwei komplette Schultage zur Verfügung gestellt. Die Kameraführung lag zwar in den Händen der Studierenden. Jedoch wurden die Schüler/innen immer wieder in die Entscheidungen mit einbezogen. Entstanden ist ein circa 30-minütiger Film, der alle Klassenmitglieder integriert. Schließlich fand die Arbeit nicht nur vor der Kamera statt. Am Dienstag, 24.05.2011 kam es in der Aula der Schule zur Filmpremiere. Der Buchautor, Thorsten Nesch, war ebenfalls anwesend und zeigte sich positiv überrascht von der Kreativität des Projektes, vor allem vor dem Hintergrund des großen Aufwands, den die Schüler/innen und die Studierenden hatten. Beim Kooperationspartner handelte es sich um eine integrative Klasse mit körperlich behinderten Mitschüler/innen. Aus diesem Grund  kommt dem sozialen Aspekt dieses Projektes eine wesentliche Bedeutung zu.


Projekt 2: U20 Poetry-Slam:

hat nicht stattgefunden


Projekt 3: Joyride Audiobook:

Ziel dieses Projektes war es, den Roman als Hörspiel entstehen zu lassen. Die drei Studentinnen, die das Projekt entwickelten und durchführten, fanden mit dem Jugendzentrum Oedeme einen geeigneten Kooperationspartner. Insgesamt beteiligten sich acht Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren an diesem Projekt. Zuvor verfassten die Studentinnen eine Hörspielfassung des Romans, die sie anschließend von den Jugendlichen in einem Tonstudio an der Leuphana Universität einsprechen ließen. Dabei wurden die Jugendlichen immer wieder in gestalterische Fragen bspw. über die musikalische Untermalung, die Geräuschkulisse oder Veränderungen in den Textbeiträgen einbezogen. Am Ende entstand ein ca. 35-minütiges Hörspiel, das nicht nur an die Beteiligten verteilt wurde, sondern auch an Radios und weitere Interessierte.


Projekt 4: Überraschungslesungen / Szenisches Lesen:

Die Studierenden dieses Projektes erarbeiteten gemeinsam mit Schüler/innen einer 8. Klasse der Christiani-Schule eine szenische Lesung. Die Klasse wurde dazu in zwei Gruppen eingeteilt, die jeweils zwei prägnante Szenen des Romans einstudierten. Zuvor wurden die Szenen von Schüler/innen und Studentinnen gemeinsam ausgewählt und für eine szenische Lesung aufbereitet (Bühnenbilder, Requisiten, Regieanweisungen, Rollenverteilung etc.). Während der Aktionswoche fanden mehrere Aufführungen an verschiedenen Orten statt. Unter anderem spielten die Jugendlichen vor anderen Jugendlichen in zwei Jugendzentren, in einer Stuntschule vor Jugendlichen, die sich in einer Maßnahme zur sozialen Integration befinden, im Kinderklinikum, aber auch an völlig öffentlichen Orten wie dem Marktplatz. Überall dort, wo die Jugendlichen sich mit Ihrer Lesung präsentierten, genossen sie größten Respekt für ihren Mut und natürlich ihre Leistung.


Projekt 5: Joyride Ost als Fotostory:

PROJEKTDURCHFÜHRUNG - Auszug aus der Seminararbeit, Fragebogen zur Projektauswertung

Zwei Studentinnen scheuten nicht den Weg nach Dahlenburg in die dortige Hauptschule. Zusammen mit einer achten Schulklasse wurde der Roman in Form einer Fotogeschichte nacherzählt. Die Schüler/innen hatten zunächst die Aufgabe, die Schlüsselszenen auszusuchen, die später in der Fotostory abgebildet werden sollten. Anschließend wurden Kostüme und Requisiten entworfen und beschafft. Danach durften die Jugendlichen ihre Fähigkeiten vor der „Linse“ unter Beweis stellen, um die zuvor ausgewählten Kapitel bildlich in Szene  zu setzen. Die Studentinnen haben die Fotos im Nachgang etwas bearbeitet und mit Hilfe eines Softwareprogramms eine digitale Fotostory entworfen, die gleichzeitig mit Musik unterlegt war. Außerdem entstand noch eine gedruckte Version in Form eines Fotobuches. Beide Versionen haben die Schüler/innen erhalten und besitzen somit eine bleibende Erinnerung an ein positives Buch- und Leseerlebnis.


Projekt 6: Projekt im Internationalen Haus „Meisterweg“:

Die Studierenden, die dieses Projekt betreuten, arbeiteten mit Jugendlichen aus dem Asylbewerber/innenheim Meisterweg zusammen. Sie richteten somit den Fokus auf eine absolute „PISA-Risiskogruppe“, die zudem in vielen Leseförderprogrammen keine ausreichende Berücksichtigung findet. Bei den Jugendlichen handelte es sich um eine sehr heterogene Gruppe mit Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 13 Jahren sowie unterschiedlicher Herkunft. Umso niedrigschwelliger wurde das Angebot gestaltet. Zunächst fanden mehrere Leseabende statt, an denen das Buch in gemütlicher Runde (vor)gelesen wurde. Dieser Schritt half vor allem Verständnislücken zu schließen und war somit eine wichtige Voraussetzung für die weitere Verarbeitung des Textes. Diese wurde sehr offen gestaltet. Die meisten Kinder und Jugendlich hatten jedoch den Wunsch, mit Farben zu arbeiten und Protagonist/innen oder Gegenstände aus dem Roman zu Papier zu bringen. Dabei kamen nicht nur Wasserfarben und Pinsel zum Einsatz sondern auch Farbspraydosen. Figuren aus dem Buch wurden auf Tapetenrollen in Lebensgröße aufgetragen. Außerdem war das Fluchtauto als beliebtes Motiv auf vielen Bildern zu erkennen. Auf der Abschlussveranstaltung der Aktionswoche wurden die Werke der Kinder und Jugendlichen ausgestellt.


Insgesamt ist noch hinzuzufügen, dass natürlich auch das Lesen selbst im Vordergrund stand – nicht nur bei einer der drei Lesungen durch den Autor Thorsten Nesch. So hatten doch alle Projekte gemeinsam, dass das Buch zunächst gelesen wurde, bevor sich die Schüler/innen Gedanken darüber machen konnten, wie sie die Inhalte in einem anderen Medium zum Ausdruck bringen. Schließlich war dadurch nicht nur der Aspekt der Lesemotivation durch das Projekt angesprochen, sondern ganz explizit auch das Leseverständnis der Jugendlichen. Wer das Buch nicht gelesen hatte, dem/der wurde schnell klar, dass die anderen einen Vorsprung haben, die Ideen haben, die Entscheidungen treffen und er/sie selbst außen vor bleibt und keinen Spaß hat. Das wollte keiner der Jugendlichen erleben. Im Gegenteil: Mit „Joyride Ost“ wurde ein Titel ausgewählt, der die Jugendlichen stark begeisterte, ihre Kreativität beförderte und ihre Lust an Büchern nur positiv beeinflussen konnte.